Spinfischen auf Sail!

Das monotone Brummen der Motoren und das beruhigende Schaukeln des Bootes in den Wellen lässt einem langsam dahin dämmern. Immer wieder die Bilder im Kopf von einem plötzlich hinter dem Boot auftauchenden Bill welches die Wasseroberfläche hinter den Teasern durchschneidet. An die Bordwand gelehnt die Spinnruten, bereit zum Einsatz. Dann plötzlich Hektik, Sail, Sail, Sail! Left teaser, left teaser!!! Mit Blick auf den wild hinter dem Teaser herschießenden Segelfisch, der Rute und dem Köder in der Hand steigt die Spannung bis ins Unermessliche...

Noch wenige Meter ist der Segelfisch nun hinter dem Boot entfernt, wild auf den Teaser einschlagend und mit aufgestelltem Segel. Cast, cast! Kommt das Kommando von der Flying Bridge. Im selben Moment an dem der Köder die Wasseroberfläche direkt vor dem Bill des Segelfisches berührt fliegt der Teaser mit einem herzhaften Ruck aus dem Sichtradius des Sails. Vehement wird der Spinnender attackiert, es folgt eine kurze Freespoolphase, alle sind muxmäuschen still, dann das klacken der sich zudrehenden Bremse und eine kreischende, schier endlos dauernde Flucht mit knapp 100 Sachen durch den Indischen Ozean! Willkommen in Malindi! Willkommen in einem der besten Reviere der Welt zum Spinnfischen auf den schnellsten Fisch der Welt!

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Hört man vom Fang von Segelfischen, so denkt man in erster Linie an die klassischen Big Game Angelmethoden wie das Trolling oder das Fischen mit Köderfischen. Was früher noch nahezu unmöglich war nämlich der Fang eines Billfisches mit der Spinnrute, ist heute dank der weit entwickelten Angelruten und Rollen kein unrealistisches Unterfangen mehr. Die Jagd nach den schnellsten Räubern der Ozeane zieht immer mehr Angler in ihren Bann. Doch bisher ist relativ wenig über das gezielte Spinnfischen auf Segelfisch im europäischen Raum bekannt. Grund genug der Sache einmal näher auf den Zahn zu fühlen.

Kenia bietet mit seinem enormen Bestand an Segelfischen einen idealen „Spielplatz“ für alle verrückten Spinnfischer. Tage mit fünf, neun oder sogar zweistelligen Fangzahlen sind hier keine Seltenheit. Dieser gute Bestand an Segelfischen verzeiht es dann auch leichter einen der schnellen Räuber im Drill zu verlieren oder mit der Spinnrute nicht haken zu können. Gerade vor Malindi, Mambrui und Ngomeni sind die Segelfische zur Peakseason im November bis Ende Dezember in sehr hohen Stückzahlen in direkter Küstennähe auf Raubzug. Die Sails fressen in dieser Zeit meist die Sardinen und kleineren Bonitos welche in extremen Stückzahlen die Küste Ost-Afrikas hinaufziehen. Doch auch während der gesamten Saisonzeiten in Kenia sind die Segelfische in guten Stückzahlen vorhanden. So werden diese mehr oder weniger als „Beifang“ in die Fangbücher eingetragen. Von Dezember bis Ende März sind die Segelfische in großen Stückzahlen vorhanden und können immer erfolgreich mit der Spinnrute befischt werden.

Das herkömmliche Trolling auf Segelfisch hat am leichten Gerät zwischen 16 und 30 lbs natürlich auch seinen Reiz, doch kann diese Art der Fischerei schnell langweilig werden. Gerade wenn die Segelfische in guter Fresslaune sind und teilweise zu fünft oder mehr die Köder attackieren. Dann schlägt die Zeit des Spinnanglers! Was anderswo bereits erfolgreich beim Marlinfischen praktiziert wird, kann in abgeänderter Art und Weise das Segelfischangeln auf ein neues, nervenaufreibendes und spektakuläres Level bringen! Die Rede ist vom Bait & Switch. Allerdings nicht mit dem normalen Trollinggerät, sondern mit der Spinnrute.

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Bait & Switch ist eine sehr aufregende Art der Angelei auf Billfisch. Dabei werden die Billfische mit Teasern bis direkt hinter das Boot geteasert und dann mit einem bereitliegenden Köder angeworfen. Die Kunst beim Bait & Switch auf Segelfisch ist es die Fische nah genug hinter das Boot teasern zu können. Nur so besteht die Möglichkeit die Segelfische mit Kunst und Naturködern anwerfen zu können. Beim Bait & Switch kommen daher die gleichen Köder wie beim normalen Trolling zum Einsatz. Einziger Unterschied ist, die Köder sind mit keinen Haken ausgestattet. Dies ermöglicht es die Segelfische bis wenige Meter hinter das Boot zu teasern. Das Ködersetup welches sich als sehr erfolgreich in Kenia erwiesen hat, sieht wie folgt aus. Insgesamt kommen vier Teaserruten zum Einsatz. Diese befinden sich auf den kurzen Positionen hinter den Birdchains auf den Flatlines rechts und links. Zwischen diesen beiden, über den Outrigger geführten Teasern, kommen zwei weitere Teaser auf den Mittelpositionen der Tagline kurz und lang zum Einsatz. Diese beiden nicht über den Outrigger laufenden Ruten werden einmal für die kurze Position im mittleren Rutenhalter und für die lange Position im Rutenhalter der Flyingbridge untergebracht. Dies ermöglicht ein schnelles Reagieren und teasern der Fisch.

Auf den langen Outriggerpositionen werden in der Regel normale Light-Tackle Ruten der 20lbs Klasse und herkömmlichen Ködern gefischt. Die Outrigger long Position wird ebenfalls mit einem normalen Stripbait versehen und von der Flyingbridge aus gefischt. Gerade in Situationen in denen die Segelfische nicht ganz so aggressiv sind und den Teasern nicht bis hinter das Boot folgen, können diese Fische dennoch mit den herkömmlichen Trollingruten gehakt werden. In Situationen an welchen die Fische richtig aggressiv reagieren, können die langen Ruten ebenfalls als Teaserruten genutzt werden. Dabei fällt dann die Flatline long weg. In der Regel sollten nicht mehr als vier, maximal fünf Teaserruten zum Einsatz kommen. Der Grund dafür ist relativ simpel. Je mehr Ruten mit Teasern im Wasser sind, desto mehr Auswahlmöglichkeit hat der Segelfisch und wechselt zu oft von einem Teaser zum anderen. Ein gezieltes Teasern ist dann sehr schwer möglich. Bei weniger Ruten im Wasser konzentriert sich der Segelfisch dann voll und ganz auf den vor ihm befindlichen Teaser und folgt diesem auch in der Regel bis hinter das Boot.

Die Spinnruten müssen beim Bait & Switch immer griffbereit sein. Sie werden an das Heck des Bootes gelehnt und mit einem Gummi an einer der Rehlingsklampen gesichert. Dies verhindert ein Hin und Herrutschen der Ruten währen des Trollings. Der Köder befindet sich ebenfalls griffbereit am Heck. Wenn mit einem toten Köderfisch, einem sogenannten Pitchbait gefischt wird, sollte dieser immer mit einem feuchten Lappen abgedeckt werden. Somit bleibt der Köder auch längere Zeit frisch. Am besten ist es wenn man eine kleine Styroporbox verwendet welche mit Eis gefüllt ist. So bleibt der Köder am längsten haltbar. Das Vorfach wird so gelegt, dass es sich mit nichts verwickeln kann. Die Bremseinstellung muss bereits vorgenommen werden wenn die Rute sich in der Standby Position befindet. Generell wird die Bremse nicht zu fest eingestellt da sonst ein Schnurbruch bei der ersten Flucht des Segelfisches den Drill schneller beenden kann als dem Angler lieb ist.

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Der Segelfisch folgt dem Teaser... die Spannung steigt! Der Köder wird dem Segelfisch direkt vor das Bill geworfen... Der Segelfisch nimmt gierig den Pitch Bait!
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Die Bremse wird nach dem Freespool langsam geschlossen... Der Circlehook sitzt und der Segelfisch startet durch! Ende gut, alles gut... Toller Segelfisch auf der Spinrute!

Das Vorgehen beim Bait & Switch mit der Spinnrute ist etwas anspruchsvoller als normales Trolling. Die Action beginnt in jenem Moment an dem der Segelfisch das erste Mal hinter den Teasern auftaucht. Nun muss alles genau passen um den Fisch in Wurfweite der Spinnrute zu locken. Einen ganz wichtigen Punkt spielt dabei die Crew des Bootes. So sind die Aufgaben klar verteilt. Ein Crewmitglied teasert den Fisch hinter das Boot, während das andere Crewmitglied dafür Sorge tragen muss, dass alle anderen Ruten schnellst möglich eingeholt werden. Der Captain holt von der Flyingbridge gleichzeitig die Birdchains ein, damit diese ebenfalls nicht das eigentliche Anwerfen des Segelfisches behindern. Sobald die Teaserphase beginnt wird die Geschwindigkeit des Bootes reduziert. Somit kann sich der Fisch besser auf den Teaser konzentrieren. Der Teaser wird dem Segelfisch immer wieder aus dem Maul gezogen und somit immer näher ans Boot gelockt. Die Segelfische welche dem Köder bis an die Bordwand folgen sind meist so aggressiv, dass sie mehr oder weniger alles attackieren was vor ihnen auf das Wasser fällt.

Sobald die Teaserphase beginnt muss der Spinnangler die Spinnrute, sowie den Köder wurfbereit halten. Dabei wird der Köder mit der freien Hand am Vorfach gehalten, der Rollenbügel geöffnet und die Schnur mit dem Zeigefinger an der Rolle blockiert. Ist der Segelfisch in Wurfweite wird der Teaser mit einem Ruck aus dem Wasser gezogen. Genau in diesem Moment muss der Köder der Spinnrute direkt vor dem Maul des Segelfisches platziert werden. Der Segelfisch ist normalerweise so aggressiv, dass er den Köder sofort nimmt. Beim Fischen mit Pitchbaits muss der Segelfisch freegespoolt werden. Das heißt im Moment in dem der Köder im Maul des Sails verschwindet, muss sofort Schnur gegeben werden. Dies ermöglicht es dem Segelfisch den Köder richtig zu fressen und vor allem im Winkel zum Boot her abzudrehen. Beim Pitchbait kommt meist ein Circlehook zum Einsatz. Nach einer kurzen Freespoolphase von drei Sekunden wird der Rollenbügel geschlossen und der Circlehook greift im Maulwinkel.

Beim Fischen mit reinen Kunstködern muss hingegen anders reagiert werden. Der Segelfisch merk in der Regel ziemlich schnell, dass hier ein Haken am Köder ist. Daher muss die Rutenspitze beim Biss relativ hoch gehalten werden. Nimmt der Sail den Köder wird die Rutenstpitze abgesenkt und dadurch dem Fisch etwas Schnur gegeben. Dies nennt man Dropback. Diese kurze Dropback Phase reicht aus damit sich der Fisch vom Boot wegdrehen kann und der Spinnfischer einen beherzten Anschlag setzen kann. Die Rollenbremse ist dabei sehr straff eingestellt um den Anschlag auch richtig durchbringen zu können. Doch hier ist Vorsicht geboten. Sobald der Fisch gehakt ist, sollte die Bremse etwas gelockert werden. Da Segelfische bis zu 120 Kilometer pro Stunde erreichen können ist dies zwingend erforderlich um einen Schnurbruch zu verhindern.

Das Spinnfischen auf Segelfisch stellt eigentlich nur eine Anforderung an die Stationärrolle. Sie muss genug Schnurfassung haben! Unter 300 Meter geht hier nichts. 400 bis 450 Meter reichen in der Regel aus um auch besonders große oder kampfstarke Segelfische erfolgreich landen zu können. Um genügend Schnur zur Verfügung zu haben fischt man hier mit geflochtenen Schnüren zwischen 50 und 60lbs. Die Rolle sollte zudem salzwassertauglich sein und eine gute und reibungslos funktionierende Bremse haben. In den letzten Jahren haben sich Rollen wie die Fin Nor Offshore, Hart No. 1 sowie natürlich Shimano Stellas und Penn Spinnfisher sehr gut bewährt.

Die Ruten sollten ein Wurfgewicht zwischen 200 und 400 Gramm haben und über ein gutes Rückrad verfügen. Die Länge des Blanks sollte nicht länger als 2,7 Meter sein, da in der Endphase des Drills eine lange Rute auf dem Boot eher hinderlich ist. In der Regel sind die Segelfische direkt hinter dem Boot und weniger als 15 Meter entfernt. Daher muss man nicht so weit werfen um den Köder platzieren zu können. Ein weiteres wichtiges Detail sind die Rutenringe. Vor allem der Spitzenring sollte einen genügend großen Innendurchmesser haben damit der Verbindungsknoten von Vorfach und Hauptschnur reibungslos durch selbigen durchlaufen kann.

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Makrele am Circlehook - Sail Candy! Teaser aus Tintenfisch und Ilander!

Beim Spinnfischen auf Segelfisch wird das ca. vier bis fünf Meter lange Vorfach direkt mit einem PR Knoten mit der geflochtenen Hauptschnur verbunden. Die Tragkraft des Vorfaches beträgt 150lbs und der Durchmesser beträgt in der Regel zwischen 1,0 und 1,2 Millimeter. Beim Fischen mit Pitchbaits wird der Circlehook direkt am Ende des Vorfaches befestigt. Beim Fischen mit Kunstködern werden diese mit einem Rapala-Knoten ebenfalls direkt mit dem Vorfach verbunden. Wirbel kommen hier nicht zum Einsatz.

Es gibt verschiedene Köder welche sich als gut herausgestellt haben. Ein definitiver Top-Köder sind Pitchbaits in verschiedenen Varianten. Vor allem Sardinen und kleinere Bonitos sowie Freakies sind wahre Segelfischcandies. Eine am Circlehook befestigte Wachsschnur wird mit der Ködernadel durch den Augenkanal des Köderfisches durchgefädelt und der Pitchbait somit am Haken befestigt. Der Pitchbait ist somit zwar mit dem Haken verbunden aber blockiert diesen nicht. Der Circlehook ist frei und kann problemlos greifen. Da diese Art von Köder eine natürliche Köderquelle für die Segelfische darstellt, wird dieser ohne großes Misstrauen genommen. Dazu kommt, dass der Geschmack und die Konsistenz des Köders dazu führt, dass der Segelfisch den Köder nicht gleich wieder ausspuckt. In Situationen wo die Segelfische sensibel beißen oder nicht ganz so aggressiv sind, empfiehlt es sich auf alle Fälle einen solchen Köder am Haken zu haben.

Kunstköder sind hier schon etwas schwieriger. Die Länge der Köder kann zwischen 10 und 20 Zentimeter betragen. Gute Kunstköder sind Gummifische, Popper und Stickbaits. Die Gummiköder werden ähnlich wie beim Tarponfischen ebenfalls mit einem Circlehook geriggt. Eine kleine 20 Gramm Bleiolive vor dem Circlehook bringt den Gummifisch etwas unter die Wasseroberfläche und verhindert ein zu starkes Springen des Köders. Nimmt der Segelfisch den Gummifisch muss auf jedem Fall ein Dropback, wie bereits im Artikel beschrieben, erfolgen. Der Segelfisch läuft dann automatisch in die Rollenbremse und der Circlehook fasst im Maulwinkel.

Beim Fischen mit Poppern oder Stickbaits ist etwas mehr Vorbereitung nötig. Die Drillinge an den Ködern sollten gegen starke Einzelhaken ausgetauscht werden. Dabei sollte der untere Haken nach unten und der Endhaken nach oben zeigen. Am besten eignen sich stärkere Sprengringe um die Haken entsprechend am Köder fixieren zu können. Wichtig beim Fischen mit Poppern und Stickbaits ist, dass die Geschwindigkeit des Bootes komplett reduziert wird. Nur so kann mit der Rute dem Köder ein gutes Spiel verliehen werden. Popper und Stickbaits eignen sich vor allem bei sehr aggressiven Fischen welche sich direkt hinter dem Boot befinden. Nimmt der Segelfisch den Köder muss nach einem kurzen Dropback sofort angeschlagen werden. Die Fehlhakrate ist bei diesen Ködern und einem ungeübten Angler relativ hoch. Doch die Art und Weise mit diesen Ködern zu fischen umso aufregender.

Der Drill ist äußerst aufregend und mit kaum einem anderen Drillvergnügen vergleichbar. Die Geschwindigkeit mit welcher der Segelfisch die Schnur von der Rolle reißt ist einfach unglaublich. Die Spule glüht und die Bremse kreischt im höchsten Ton. Die erste Flucht des Segelfisches und die wilden Sprünge sind an der Spinnrute unglaublich. In dieser Phase des Drills ist es äußerst wichtig immer die Spannung aufrecht zu erhalten da sonst der Segelfisch den Haken freischütteln kann. Daher immer auf Spannung bleiben und beim Springen des Segelfisches die Rute nach unten, entgegen der Sprungrichting halten. So ist weniger freihängende Schnur in der Luft welche zu einem Verlieren des Fisches führen kann.

In Kenia wird striktes Tag & Release praktiziert. Im Ausnahmefall werden Segelfische mitgenommen welche nicht mehr releast werden können. Alle professionellen Big Game Boote in Kenia unterstützen das Tagprogram der African Billfish Association. Diese untersucht nicht nur die Wanderrouten der Segelfische sondern sammelt auch wichtige Informationen über das Fressverhalten sowie weitere wissenschaftliche Daten über die schnellsten Räuber der Meere.

Wer einmal das Spinnfischen auf Billfisch selbst erleben möchte findet in Kenia einen idealen Ausgangspunkt für dieses Vorhaben. Die Boote und Crews sind Experten wenn es auf die Jagd nach den Sails im Indischen Ozean geht. jeden November findet in Malindi ein Spinn- und Fliegenfisch Seminar unter der Leitung von Andreas Knausenberger statt. Hier geht es genau um diese Art der Fischerei. Mit Spinn- und Fliegenruten geht es ran an die Segelfische. Eine ideale Möglichkeit selbst als Anfänger auf seine Kosten zu kommen.

Video - Spinfischen auf Segelfisch!